Dirigent gesucht!

Wie der CIO die digitale Transformation orchestriert

Es klingt zwar nach einer Phrase, ist aber tatsächlich so: Durch die enorme technologische Dynamik eröffnen sich den Unternehmen auch enorme Möglichkeiten. Bestehende Prozesse werden weiter automatisiert, innovative Anwendungsszenarien oder sogar neue Geschäftsmodelle werden entwickelt und analoge Produkte werden um digitale Komponenten erweitert. Oder zumindest könnte das so sein. Denn alle Unternehmen wissen zwar um das ungeheure Potenzial der digitalen Transformation. Wie sie es sinnvoll für sich nutzen können, wissen viele Unternehmen allerdings noch nicht. Oder besser: Viele tun sich schwer, konkrete Projekte zu realisieren – und das im Rahmen einer ganzheitlichen Strategie.

Das liegt unter anderem daran, dass es bislang nur wenige Blaupausen für den Einsatz der neuen Technologien gibt – das gilt sowohl mit Blick auf die Erfassung von Daten als auch mit Blick auf die Integration der Daten in die Prozesse. Unternehmen müssen also zunächst herausfinden, ob und wie RFID-Tags, M2M-Kommunikation oder 3D-Druck sie weiterbringen und was sie von Echtzeitanalysen oder Predictive-Szenarien haben. Und damit müssen sie in der gesamten Organisation deutlich innovativer und kreativer werden, als es bislang notwendig war. Hinzu kommt dabei, dass wirklich überzeugende Innovationen immer dann entstehen, wenn Beteiligte aus allen Fachbereichen und der IT-Abteilung zusammenarbeiten. Gleichzeitig muss das Management einbezogen sein, weil nur so der erforderliche strategische Überbau gegeben ist und weil nur so sämtliche Implikationen für das gesamte Unternehmen berücksichtigt werden. Ein Beispiel: Werden Prozesse in der Produktion weiter automatisiert, geht das wahrscheinlich mit einem Rückgang des Personals in der Werkhalle einher – während die Mitarbeiterzahl in anderen Bereichen vermutlich steigt. Dieser durch die Digitalisierung herbeigeführte Wandel muss vom Management begleitet und aktiv kommuniziert werden. Ohne das Commitment und den Support des Managements bleibt ein echter digitaler Change aus.

Der CIO als Dirigent

Um es deutlich zu sagen: Die etablierten Strukturen in den meisten Unternehmen sehen eine solche Art der übergreifenden – und dazu noch interdisziplinären – Zusammenarbeit nicht vor. Wenn heute ein einzelner Fachbereich eine Idee hat, geht er damit auf die IT-Abteilung zu und hofft, dass aus dem Anliegen ein Projekt wird. Zwar sind die Beteiligten damit nicht so richtig zufrieden. So richtig motiviert, daran etwas zu ändern, ist aber auch niemand.

Soll die Transformation gelingen, muss sich das grundlegend ändern. Die Interessen, das Wissen und die Fähigkeiten der Fachbereiche, des Managements und der IT müssen orchestriert werden, um einen digitalen Gleichklang zu erzeugen. Die ideale Besetzung für den Dirigenten ist dabei der CIO. Denn dieser kennt nicht nur die technologische Seite perfekt. Als C-Level-Mitglied ist er auch mit den Erwägungen des Managements zur Entwicklung des Unternehmens – auch abseits der Digitalisierung – vertraut. Und er hat ein Verständnis dafür, vor welchen Herausforderungen die einzelnen Fachbereiche stehen. Das befähigt ihn nicht nur dazu, den Takt vorzugeben. Er kann auch zwischen Fachbereichen, dem Management und der IT vermitteln. Konkret bedeutet das:

  • Den Fachbereichen zeigt der CIO auf, welche Devices, Anwendungen und Systeme es gibt und wo ihr Potenzial liegt – insbesondere bei der Integration der Daten in die betriebswirtschaftlichen und fachbereichsspezifischen Prozesse. Gleichzeitig schafft der CIO die Grundlagen dafür, dass die Fachbereiche sukzessive ihr technologisches Know-how erweitern.
  • Das Management überzeugt der CIO, dass die Digitalisierung dem gesamten Unternehmen nutzt – am besten gelingt das anhand eines Proof of Concept. Zudem versetzt der CIO das Management in die Lage, die technologischen Möglichkeiten auf die gesamte Unternehmensstrategie zu beziehen und auf dieser Basis fundierte Entscheidungen zu treffen.
  • Die IT sensibilisiert und motiviert der CIO, sich mit dem Business auseinanderzusetzen und die Belange der Fachbereiche und des Managements zu verstehen.
  • Fachbereiche, Management und IT bringt der CIO zusammen, damit übergreifend wirksame und im gesamten Unternehmen verankerte Projekte entstehen – und eine verbindliche Digitalisierungsstrategie entwickelt wird.

Vom Workshop zum Lab

All das kann der CIO natürlich nicht dauerhaft als Einzelperson leisten. Aber er kann die entscheidenden Impulse geben und für die dringend erforderliche Neuausrichtung der Organisation sorgen. Manifestieren kann sich das beispielsweise in einem ersten Schritt in einzelnen Innovationsworkshops, an denen Beteiligte aus allen Fachbereichen, dem Management und der IT teilnehmen. Häufig bietet es sich an, dass solche Workshops von einer Beratung aufgesetzt und moderiert werden. Dabei geht es dann nicht nur um inhaltliche Fragen – deren Beantwortung am besten in einem nicht allzu aufwendigen Projekt mündet, das allen ein Gefühl dafür gibt, was wirklich möglich ist. Es geht auch darum, neue Methoden – allen voran Design Thinking – und eine neue Kultur zu vermitteln.

In einem zweiten Schritt lassen sich die punktuell angelegten Workshops in ein dauerhaftes Format überführen. So können interdisziplinäre Teams gebildet werden, die regelmäßig zusammenkommen. Eine sehr ambitionierte Ausprägung ist dabei die Gründung von Labs. Diese sind häufig auch örtlich vom übrigen Unternehmen separiert und bieten so einen Raum, um kreativ und ohne die üblichen Vorgaben an Innovationen zu arbeiten.

Die Neuausrichtung der Organisation ist zudem eng verknüpft mit der Entstehung einer Digitalisierungsstrategie – beides beeinflusst sich gegenseitig. In Workshops und dauerhaften Formaten wie Labs – ebenso in konkreten Projekten – entsteht wichtige Insights für die Entwicklung einer Strategie. Gleichzeitig beeinflusst die Strategie, wie die Organisation umgebaut und weiterentwickelt werden soll und welche Projekte realisiert werden. Eine Digitalisierungsstrategie zu formulieren, ist für jedes Unternehmen enorm wichtig. Denn sie ist gewissermaßen die Partitur für die Transformation. Der CIO ist also nicht nur Dirigent, sondern auch Komponist.

Hans Rauwolf
Leitung Branchenmanagement Prozessindustrie
itelligence AG

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